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21. März 2010
 

Krupp

 
Oliver Berben. Quelle: ZDF,Stephanie Kulbach
Oliver Berben

Interview

Ganz nah an der Geschichte

Produzent Oliver Berben über "Krupp"

Viele Jahre hat Oliver Berben das Projekt "Krupp" vorangetrieben. Im Winter dieses Jahres konnte er die vielschichtige Familiengeschichte endlich in einem Dreiteiler für das ZDF mit Autor Christian Schnalke und Regisseur Carlo Rola umsetzen. Für Oliver Berben eine besondere Herausforderung mit einer großen Faszination.

 
 
 
 

ZDF: Worin liegt die Faszination für Sie als Produzent "Krupp - Eine deutsche Familie" zu realisieren?

Oliver Berben: Am Anfang lag für mich die Faszination von "Krupp" darin, ein großes Stück deutsche Geschichte zu erzählen - weit über 70 Jahre hinweg. Anhand einer deutschen Industriellenfamilie, die als kleine Arbeiterfamilie aus dem Nichts kommt und zu einer der berühmtesten, erfolgreichsten und reichsten Familien in Europa wird. Und ich rede noch nicht von den ganzen Schwierigkeiten, die aufgetaucht sind, über die Weltkriege hinweg, Wirtschaftskrisen und die Verstrickungen in negative und positive Machenschaften ...

 

Infobox

Zur Person

Oliver Berben wurde 1971 in München geboren. Er studierte zunächst Elektrotechnik an der Technischen Universität Berlin, bevor er in die Filmbranche wechselte. Gemeinsam mit Carlo Rola gründete er im Februar 1996 die Firma Moovie the art of entertainment GmbH. 1999 fusionierte er die Firma mit der Constantin Film AG. Bis dato hat er mehr als 60 Filme produziert, darunter diverse Filme der Reihe "Rosa Roth", "Sass - Die Meisterdiebe" und "Elementarteilchen".

Zitat

„Wir erzählen eine Familiensaga.“

Oliver Berben

ZDF: Und für den Zuschauer?

Berben: Wir erzählen im Grunde eine Familiensaga vor dem Hintergrund des eigenen Landes. Das Land gibt der Familie eine Bühne. Der Zuschauer erlebt diese ganzen historischen Ereignisse, startend in der Zeit um 1901, hin zum ersten Weltkrieg, den 20er-Jahren, dem zweiten Weltkrieg und zum Wirtschaftswunder in den 50er-Jahren, anhand einer Familie und nicht frei erzählt und neutral, nein! Er ist an drei Generationen einer einzigen Familie sehr nah dran. Ich glaube, das wird den Zuschauer fesseln und hoffentlich auch faszinieren.

 

ZDF: Worin liegen die Herausforderungen in der Realisierung? Mit welchen Schwierigkeiten haben und hatten Sie zu kämpfen?

Berben: Die größten Herausforderungen kann man gar nicht in einem Punkt fassen. Sie haben zuerst mal einen historischen Film, das ist immer schon schwierig. Wann immer Sie eine Kamera aufbauen, muss alles erfunden und neu errichtet werden. In der Welt ist heutzutage nichts mehr so, wie es um 1900, 1920, 1940 oder 1950 war. Alles ist anders. Die zweite Sache ist: Das ist sehr teuer. (lacht)

Zitat

„Es gibt nichts, was schwieriger ist.“

Oliver Berben zur Erzähldichte

Sie brauchen eine Menge Geld, also eine relativ komplexe Finanzierungsstruktur mit unterschiedlichen Geldgebern. Und das dritte ist - und das ist eigentlich die größte Herausforderung: Bei einer Geschichte sowieso - bei jedem Film - aber besonders bei einer Geschichte, die über 270 Minuten lang geht: Eine Erzähldichte und eine Spannung zu haben, die den Zuschauer über drei Teile bei der Stange halten wird. Es gibt nichts, was schwieriger ist, als das zu schaffen. (lacht) Und das ist sicherlich jenseits der produktionstechnischen Details die allergrößte Herausforderung.

 

ZDF: Christian Schnalke hat das Drehbuch geschrieben, Carlo Rola führt Regie. Diese Konstellation ist nicht neu. Was zeichnet dieses Team aus?

Berben: Die Konstellation zwischen Carlo Rola als Regisseur, Christian Schnalke als Autor und mir als Produzent ist jetzt mit Sicherheit schon die fünfte Zusammenarbeit. Wir haben mit normalen Fernsehfilmen angefangen und bis jetzt drei große Dreiteiler-Events zusammen umgesetzt, die mit völlig unterschiedlichen Handlungen zu tun haben. Das Positive bei so einer Form der Zusammenarbeit ist, dass man um die Qualität und die Schwächen der Einzelnen weiß. So kann man in einer sehr überschaubaren Zeit und mit einem überschaubaren Budget Optimales erreichen.

 

Christian Schnalke ist ein begnadet guter Autor - immer schon. Eine seiner großen Qualitäten ist sicherlich, dass er in unterschiedlichen Genres so gut sein kann - egal, ob das eine Roman-Adaption ist, ein Stoff, der in der Jetzt-Zeit spielt, oder ein Familienepos wie "Krupp", das über 70 Jahre geht. Carlo ist mit Sicherheit einer der besten Regisseure, die wir in Deutschland haben. Auch er ist genremäßig unabhängig, was die große Qualität birgt, dass er sowohl Liebesgeschichten, als auch spannende Momente und thrillerartige Situationen darstellen kann. So einer Produktion wie "Krupp" hilft das immens, weil sie neben dem melodramatischen Ansatz, eine Geschichte über eine Familie zu erzählen, irrsinnig viele Spannungs- und Thrillerelemente enthält. Und so glaube ich, dass man mit so einer Kombination aus Leuten, die sich schon eine ganze Zeit und über verschiedene Projekte kennen, sehr viel erreichen kann.